Vermeintliche Sprachbarriere ist nur selten ein Hinderungsgrund

Text und Fotos: Frank Albrecht (freier Journalist)

Workshop „Flüchtlinge in Arbeit“ beim Fest der Begegnung sehr gefragt

Neheim/Arnsberg. Der Raum ist bis auf den letzten Platz gefüllt – mehr noch: Nicht alle Interessierten finden einen Platz. Es sind weniger die Geflüchteten, die sich für die Informationen rund um das Workshop-Thema „Flüchtlinge in Arbeit“ interessieren, als mehr Helfer und Unterstützer, die diesem speziellen Teil der Veranstaltung im Neheimer Kaiserhaus folgen. Der heimische Unternehmer Andreas Cloer vom Sanitärfachbetrieb „Gebro-Herwig“ hatte die Idee zum Workshop und schnell Fürsprecher und Unterstützer dafür gefunden.

Zwischen Erfahrungen von einer geringen Nachfrage Geflüchteter nach Ausbildungsplätzen und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Menschen aus Syrien, Afrika oder Afghanistan, und den Schwierigkeiten für sie, in diese Arbeits- oder Ausbildungsplatzverhältnisse zu kommen, reicht das Spektrum der Diskussion. Interessiert lauschen die rund 40 Zuhörer den Experten und Engagierten: Willkommenslotsin Angela Schlüter von der IHK Arnsberg – Hellweg-Sauerland, Jochem Hunecke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Rolf Christian Haase von der mit organisierenden Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist, Thomas Reiter, dem Ausbildungsleiter bei Gebro Herwig, Stefan Schneider von der Arbeitsagentur, Marita Gerwin, Leiterin der Fachstelle Zukunft Alter Arnsberg, sowie dem Leiter des städtischen Büros für Zuwanderung und Integration, Stefan Wulf.

Von den Schwierigkeiten für Geflüchtete, ihre Ausbildung zu organisieren, kann Jochem Hunecke (Kreishandwerkerschaft) berichten. „Das fängt schon bei der Entfernung zur Ausbildungsstelle oder zum Arbeitsplatz an“, beschreibt Hunecke seine Erfahrungen. Oftmals sei der Weg zu den verlangten Zeiten mit dem öffentlichen Personennahverkehr kaum zu erreichen. Und auch Thomas Reiter, Ausbildungsleiter bei Gebro-Herwig, kann ergänzen. „Der Weg bis zur Ausbildung Geflüchteter folgt oft einem Spießroutenlauf.“ Vom Anlegen eines Kontos bei einer Bank bis zur Erhalt einer Steuernummer, so Reiter, lägen zahlreiche bürokratische Hürden. Einige der Zuhörer scheinen die Situationsbeschreibungen aus eigener Erfahrung zu kennen, nicken und hören gespannt zu.

Die Diskussionsrunde ist sich einig: Um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, bedarf es eines großen persönlichen Einsatzes. Schon bei der Vermittlung von Geflüchteten in einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zähle sehr oft die persönliche Vermittlung. „Wir legen deshalb großen Wert auf die individuelle Begleitung der Geflüchteten durch ihre Paten und Lotsen im Rahmen der Initiative „Menschen stärken Menschen“, sagt Marita Gerwin. Die Kontakte der Paten zu Unternehmen und ein funktionierendes, breit gefächertes Netzwerk könnten den Wunsch der geflüchteten Menschen nach Arbeit und Ausbildung enorm unterstützen.

Die Tür zum Workshopraum geht immer wieder auf und zu – noch mehr Besucher vom „Fest der Begegnung“ im Neheimer Kaiserhaus bekunden damit ihr Interesse an der Veranstaltung und an den Informationen im angebotenen Workshop ganz speziell.

Die Diskussionsrunde tauscht sich weiter über Möglichkeiten und Perspektiven aus – die für diesen und alle anderen Workshops angesetzten 45 Minuten sind knapp bemessen, um alle Informationen auszutauschen bzw. vorzubringen. Als einen Hinderungsgrund für die Beschäftigung oder Ausbildung von Geflüchteten haben die Gesprächsteilnehmer schnell auch die Unklarheiten bezüglich des aktuellen Aufenthaltstatus´ der Menschen ausgemacht. „Unklarheit diesbezüglich sorgt bei interessierten Unternehmern für Unsicherheit“, so Hunecke. Und dabei ist noch nicht einmal die vermeintliche Sprachbarriere der hauptsächliche Hinderungsgrund für den Einsatz von Geflüchteten in Unternehmen!

Geschichten um Bewerbungen von Geflüchteten kann Thomas Reiter, Ausbildungsleiter bei der Fa. Gebro-Herwig, noch einige beitragen. Und sie alle erzählen von den Schicksalen vieler Menschen, die vor Krieg und Zerstörung die Flucht nach Europa angetreten haben und in Deutschland gelandet sind…

Dann sind aus den angesetzten 45 Minuten schon fast 60 geworden und die Mittagspause ruft. Zum Teil nachdenklich, auf jeden Fall aber um einige Informationen reicher, verlassen die Diskussionsteilnehmer und ihre Zuhörer den Raum. Und allen ist zum Abschluss klar, dass es für die Umsetzung des Anspruchs „Flüchtlinge in Arbeit!“ noch über geraume Zeit vieler unterstützender Hände und Köpfe in Arnsberg bedarf…

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Tag des Crickets (multimediale Reportage)

  1. Weitere Informationen und Beratungen zum Thema “Integration in den Arbeitsmarkt” erteilen die Willkommenslotsen der IHK – Industrie und Handelskammer Arnsberg und der Handwerkskammer Südwestfalen unter folgenden Kontaktdaten:

    Willkommenslotsin der IHK
    Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland Integration von Flüchtlingen, Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse

    Angela Schlüter
    Tel.: 02931 878-127
    Fax: 02931 878-249
    Email: schlueter-a@arnsberg.ihk.de

    Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland
    Königstraße 18-20
    D 59821 Arnsberg
    Tel: +49 2931 878 0
    Fax: +49 2931 878 100
    Email: info@arnsberg.ihk.de

    Willkommenslotse in der HWK
    Handwerkskammer Südwestfalen
    Brückenplatz 1
    59821 Arnsberg
    Telefon: 02931-877-372 – ab 01.06.2018
    E-mail: info@hwk-swf.de

    Die Stelle des Willkommenslotse in der Handwerkskammer Arnsberg ist ab dem 01.06. 2018 besetzt. Bis dahin wird Ihre Anfrage über die Zentrale der Handwerkskammer weiter geleitet. Tel. 02931 877 – 0

  2. Kontakte knüpfen, Neues lernen, Menschen begegnen – am 28. April 2018 fand im Kaiserhaus ein Fest der Begegnung statt. Hier können Sie die Reportage über den gesamten Tag nachlesen:
    https://foerderverein-wendepunkt-arnsberg.de/zuhoeren-verstehen/

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