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Einfach helfen – ohne Wenn und Aber

Weihnachtskonzert der Lions-Clubs Neheim-Hüsten und Arnsberg-Sundern im KUNST-WERK weckt Emotionen

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Das Salon-Ensemble begleitet den Abend mit stimmungsvoller, klassischer Musik.

„Flüchtlinge sind MENSCHEN … keine Heiligen, keine Monster – einfach Menschen! Und wie sind Menschen? Menschen sind nicht gleich, Menschen sind Individuen, sie sind: gut, schlecht, groß, klein, dick, dünn, glücklich, traurig, frustriert, deprimiert, wütend, aggressiv, intelligent, kreativ, empathisch, hilfsbereit, herzensgut, ängstlich, egoistisch, dumm …!“, starke, emotionale und vor allem treffende Worte – ein Gänsehautmoment, der sich durch den gesamten Saal zieht. Standing Ovations für Dilek Stadtler, die das Zeitgeschehen mit diesen Worten auf den Punkt bringt.

Rund 100 Gäste folgen der Einladung der Lions-Clubs Neheim-Hüsten und Arnsberg-Sundern in das KUNST-WERK Neheim, um am Weihnachtskonzert teilzunehmen. Ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes für das tatkräftige Engagement vieler Arnsberger Bürger und Bürgerinnen zum Wohle der hilfsbedürftigen Menschen. Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, um ihres und das Leben ihrer Kinder zu retten. Ohne das Engagement dieser Menschen sei die Aufgabe nicht zu stemmen, stellt Ernst-Michael Sittig, Lions-Club Arnsberg-Sundern, fest und bedankt sich damit bei allen ehrenamtlich Tätigen und aktiven Initiativen.

Christian Bach trifft ebenfalls den Nerv und nutzt seinen berühmten „Zeitungs-Zauber“, um mit dem Wort „Flüchtlingskrise“ aufzuräumen: „Sie haben es sicherlich schon gehört, das Wort ´Flüchtlinge´ ist zum Wort des Jahres 2015 gewählt worden“, beginnt er seine Moderation des Konzertabends und wünscht sich im gleichen Atemzug, dass „FlüchtlingsKRISE“ zum Unwort des Jahres gewählt wird.

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Taha und Lana haben ihren Weg gefunden – gemeinsam mit ihren Freunden in Arnsberg blicken sie in eine friedliche Zukunft.

„Wir wurden gezwungen, diesen Weg zu gehen“

Geprägt durch die klassische Musik des Salon-Ensembles, das seine Besucher den gesamten Abend über mit stimmungsvollen Klängen und Gesängen betört, erhalten auch betroffene Menschen, wie Taha S., die Möglichkeit, ein paar Worte an die Arnsberger zu richten: „In diesem Gespräch möchte ich meine Worte an diejenigen richten, die vor uns Angst haben und vielleicht ein wenig geschockt sind. Ich möchte denen sagen – wir sind vor Tod, Terrorismus, Freiheitsunterdrückung und Unsicherheit geflüchtet. Wir sind nicht aus wirtschaftlichen Gründen oder persönlichen Gründen hier gelandet, sondern wir wurden gezwungen, diesen Weg oder dieses neue Leben zu gehen.“ Weiter appelliert er an unseren Verstand. Denn viele unserer Großeltern haben den Krieg erlebt – wir wissen, wie schrecklich das ist!

Taha und seine Frau Lana sind zudem Teil einer derzeitigen Vereinsgründung, die sich unter dem Dachmantel des Bürgermeisters abspielt. „Syrer helfen Syrer“ soll den geflohenen Menschen einerseits eine Hilfestellung beim Ankommen in Arnsberg bieten, andererseits aber auch die Menschen hier vor Ort aufklären. Hans-Josef Vogel erklärt dazu, dass der zukünftige Verein beispielsweise in Schulen und Co. gehen und zur Aufklärung beitragen wird.

Auch Siamak N., der iranische Filmemacher, und Christopher Peterson, Kunstverein Arnsberg, sind Gäste des Weihnachtskonzerts – Siamak erhält dabei ebenfalls die Gelegenheit, sich bei all den Menschen, die ihm hier in Arnsberg geholfen haben und immer noch helfen, zu bedanken.

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Karola und Christel sind Patinnen mit Herz und Verstand – sie helfen den drei allein geflohenen afghanischen Jugendlichen im Alltag.

„Was können wir tun?“

Anke Kalina und der „Freundeskreis Pestalozzischule“ fackeln nicht lange, als zahlreiche geflohene Menschen im Sommer dieses Jahres in der Pestalozzischule untergebracht werden sollen, erzählt sie mit stolzer Stimme. Und das kann sie auch. Denn als sie und viele weitere Menschen davon erfahren sind sie sofort zur Stelle, um zu sehen wo sie helfen können. Mittlerweile hat sich ein starker Freundeskreis daraus entwickelt – mehr als 60 Bürger und Bürgerinnen engagieren sich sowohl in der Kleiderkammer, wie auch in der Betreuung von kleinen und großen Kindern und vielem mehr.
Claudia Brozio erzählt von den engagierten Ideen zur Flüchtlingshilfe an der Ruth-Cohn-Schule, von der Schülerfirma, die ihren hälftigen Erlös für die Flüchtlingshilfe spendet und von zukünftigen sozialen Projekten, die von den Schülern eigenständig auf die Beine gestellt werden.

Der Förderverein Wendepunkt e.V. wird heute vertreten durch Marita Gerwin, die sich nicht nur über den musikalischen und kulturell gefüllten Konzertabend freut, sondern auch darüber, dass in Zusammenarbeit mit der Engagementförderung Arnsberg bereits mehr als 50 interessierte Menschen für die ehrenamtliche Tätigkeit als „Alltagslotse“ qualifiziert werden konnten.

Apropos Alltagslotsen – selbstverständlich sind auch Karola und Christel dabei, die sich seit Wochen um drei allein reisende jugendliche Afghanen kümmern. Ihnen Deutsch beibringen, sie bei der Freizeitgestaltung unterstützen und auch so einfach für sie da sind. Man sieht Javid, Gulkan und Nazrath förmlich an, wie gern sie ihre „Mamis“ haben – ebenso aber auch, wie gern Karola und Christel „ihre Jungs“ haben.

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Marita Gerwin fällt Ingo Beckschäfer, Lions-Club Neheim-Hüsten, regelrecht um den Hals, als sie von der anonymen Spontanspende in Höhe von 12000 Euro für den Förderverein Wendepunkt e.V. erfährt.

Pure Freude über 12000 Euro Spontanspende

Aufgrund einer anonymen und zweckgebundenen Geldspende ist es dem Förderverein Wendepunkt e.V. möglich, etwaige Ideen in der Flüchtlingshilfe zu fördern und Ivonne Wobbe-Potofski als Ansprechpartnerin zu engagieren. Noch bis Mitte nächsten Jahres ist diese Arbeit des Fördervereins dadurch gesichert.

Umso größer ist die Freude, als Ingo Beckschäfer, Lions-Club Neheim-Hüsten, am Ende des Abendprogramms offenlegt, soeben eine anonyme Spende in Höhe von 12000 Euro für den Förderverein Wendepunkt e.V. erhalten zu haben.

Ein echter Höhepunkt, bevor der Abend bei leckerer Curry-Wurst (natürlich vom Geflügel) und kühlen antialkoholischen Getränken, aber auch Sekt oder einem kühlen Blonden ausklingt. Die Gäste haben hier die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen oder einfach nur die Seele in netter Gesellschaft baumeln zu lassen. Diesen entspannten Abend haben sich die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen redlich verdient!

Fotogalerie: Weihnachtskonzert der Lions-Clubs Neheim-Hüsten und Arnsberg-Sundern

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Text & Fotos: Thora Meißner, wortschrei.com

(c) Foto by Frank Albrecht, Wochen-Anzeiger Arnsberg/Sundern

(c) Foto by Frank Albrecht, Wochen-Anzeiger Arnsberg/Sundern

 

Das Schicksal meint es gut – endlich

siamak_2Kunstverein Arnsberg holt Siamak N. in die Ausstellung ANDERLAND

Endlich halte ich sie in meinen Händen – meine neue dicke Winterjacke. Bereit für den am Wochenende vorhergesagten Kälteeinbruch. Eine Stunde bin ich durch die Stadt gedüst. Von Laden zu Laden, von Schnäppchen zu Schnäppchen. Doch jetzt ist es geschafft – ich muss nicht frieren. Probleme, die Siamak N. und viele weitere geflohene Menschen gerne hätten – statt derer, die ihnen ihre Heimat, ihre Freiheit und ihr Leben nehmen. Probleme, die lösbar sind und nicht dazu führen, dass sie zu “Geistern in ihrer Heimat” werden. Und wir – als diejenigen, die journalistisch über sie schreiben, ihr Schicksal in die Öffentlichkeit rücken – können rein gar nichts tun! Oder doch?

Sechs Wochen ist es her, dass ich den Filmemacher und aus dem Iran geflohenen Siamak N. mit dem Titel “I fought for freedom” vorgestellt habe. Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann – eine Geschichte, die aus Zahlen wieder Menschen machen sollte. Und das ist ihr gelungen!

Siamaks “Kampf für die Freiheit” berührt – für die Freiheit zu leben, die uns in Europa in die Wiege gelegt wird, muss er alles aufgeben. Seine Heimat, seine Freunde, seine Familie. Seine preisgekrönten Filme? Für ein Leben im “Flüchtlingsdasein”, das ihn quer durch Deutschland von A nach B führt und nicht unmittelbar freier macht. Und jetzt? Das soll´s jetzt gewesen sein? Diese Frage stellen sich offenbar viele Menschen. Unter anderen der Bürgermeister – denn als dieser die Geschichte im Wochen-Anzeiger liest, verliert er keine Zeit und schreibt dem Kunstverein Arnsberg eine Email. Kurzerhand besuchen Andrea und Johannes Teiser Siamak in der Notunterkunft und laden ihn zum Kennenlernen in den Kunstverein Arnsberg ein.

siamak_1“The film has no name”

Schnell wird klar – dieser Künstler soll Teil der Ausstellung “ANDERLAND” werden! Über einen Freund Siamaks lassen sie sich den preisgekrönten Kurzfilm “The endless moments …” senden und erhalten als i-Tüpfelchen einen weiteren Kurzfilm des iranischen Filmemachers: “This film has no name”. Kurze Zeit später werde auch ich in den Kunstverein Arnsberg eingeladen – darf mir beide Filme anschauen. Ich bin begeistert und schockiert zugleich. “The endless moments …” wurde zu Recht mit einem Preis gekrönt. Doch der zweite Kurzfilm, der ohne Namen, trifft direkt ins Herz! Das Abstrakte, der Spannungsbogen, die Pointe – was hat der Mann gesehen, das ihn auf diese Idee gebracht hat?

Mittlerweile haben sich mehrere Menschen für Siamak eingesetzt und jetzt ist klar – er darf in Arnsberg bleiben. Die Freude ist groß, als ich diese gute Nachricht erhalte. Denn endlich hat eine Geschichte mal Leben verändernde Früchte getragen. Das Schicksal meint es gut mit ihm – endlich!

Ich treffe Siamak wieder – diesmal im Kunstverein Arnsberg. Es geht um die Ausstellungseröffnung am Freitag, 21. November. Bei dieser Gelegenheit verpasse ich es natürlich nicht, ihm diese eine Frage zu stellen, die mir bereits seit mehr als einer Woche auf der Zunge brennt: Wie ist die Idee zu “This film has no name” entstanden?

Seine Worte schmerzen! Denn vor rund 3 Jahren hat er eine Videoaufnahme gesehen, in der ein Kind durch einen Bombenanschlag derartig verletzt wurde, dass das Gesicht “gespalten” schien. Der Gedanke an diese Aufnahme lies ihn nicht mehr los und so verschaffte er sich Luft – mit dem Kurzfilm “This film has no name”! Ein Film, der nachdenklich macht. Ein Film, der noch bis Januar 2016 im Kunstverein Arnsberg angesehen werden kann – er ist Teil der Ausstellung ANDERLAND.

siamak_4Auch er muss jetzt nicht mehr frieren

“Unter diesem Titel ist die Sehnsucht nach Veränderung zentrales Thema vieler Künstler, die in physischer oder gedanklicher Grenzüberschreitung neue Werke und Empfindungen hervorrufen. Das ANDERLAND fängt da an, wo Grenzen überschritten werden.”, erklärt Vlado Velkov, Kurator im Kunstverein Arnsberg. Die perfekte Kulisse für Siamaks Film!

Und der freut sich, dass sein Kurzfilm neben den Kunstwerken von Kristina Berning, Marco Bruzzone, Timo Klöppel, Tanaz Modabber, Tyra Tingleff und vielen weiteren Künstlern im Kunstverein Arnsberg zu sehen ist.

Als ich Siamak am Abend der Ausstellungseröffnung im Kunstverein treffe, wirken seine Augen müde. Aber nicht schläfrig, sondern eher ausgepowert. Aufgrund seiner langen Reise? Weil seine Zukunft ungewiss ist? Oder vielleicht müde von den zahlreichen Gesprächen über seine Vergangenheit? Diese Fragen bleiben offen – denn ich stelle sie ihm nicht! Gewiss ist, dass er Freunde in Arnsberg gewonnen hat – gute Freunde. Sie geben ihm Kraft und Wärme. Auch er muss jetzt nicht mehr frieren!

Text & Fotos: Thora Meißner, wortschrei.com
Erschienen im Wochen-Anzeiger / lokalkompass.de

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Logo_PvmzmDie Patinnen Karola und Christel lernen heute mit ihren drei Jungs aus Afghanistan die Bedeutung der Farben kennen:

ROT – wie eine Tomate
Gelb – wie eine Zitrone
Grün – wie eine Wiese

ROT – GELB – GRÜN – wie bei einer Ampel an der Straße. Sie sprechen über das Verkehrsverhalten und die Symbolik der Lichtzeichen im Straßenverkehr. Warum –Weshalb -Wieso gibt es diese Regeln und warum es wichtig ist, sich daran zu halten. Sie erklären den schwarz-weißen “Zebrastreifen” als “Fußgänger-Überweg” und die Bedeutung der “Überquerungshilfe” auf einer viel befahrenen Straße.Später im Auto, auf der Fahrt zum Jugendzentrum, entdecken sie eine Verkehrsampel. Sie springt gerade auf ROT. Von Hinten aus dem Auto erschallt ein Ruf:

Anhalten! Die Ampel ist ROT.
Achtung! GELB. Gleich geht es weiter.
Los. Jetzt ist die Ampel GRÜN!

Alles verstanden! Gut gemacht! Weiter geht es…

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