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Bundesweite Förderung der Alltagslotsen für geflüchtete Menschen

„Alt für Jung-Patenschaften – Seniorenbüros unterstützen Geflüchtete“ titelte die Einladung des BaS (die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros) zur Auftaktveranstaltung im Solution Space – Innovationshaus am Dom in Köln. Eingeladen als eines der 17 bundesweit ausgewählten Seniorenbüros auch die Fachstelle Zukunft Alter der Stadt Arnsberg. Mit diesem Projekt beteiligt sich die BaS am neuen Programm des Bundesfamilienministeriums „Menschen stärken Menschen“.

300 neue Patenschaften für Geflüchtete an bis zu 20 Standorten bundesweit sollen mit dem Projekt „Alt für Jung“ gefördert werden. Patenschaften, die es den geflohenen Menschen erleichtern, sich im fremden Lebensalltag zurechtzufinden und wohlzufühlen. Aber auch Patenschaften, die es engagierten Menschen, insbesondere auch Senioren ermöglichen, sich zu entfalten und geflohenen Menschen zu helfen. Kurzum: Das Engagement der Menschen vor Ort soll gefördert werden.

Auftaktveranstaltung bietet Infos und Austausch

BaS2Der Vormittag beginnt mit der Begrüßung durch Frank-Ludwig Blömker, BaS-Vorsitzender, der sich zunächst einmal für das zahlreiche Erscheinen der Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet bedankt. 40 Menschen, darunter auch Marita Gerwin von der Fachstelle Zukunft Alter, nehmen an der Auftaktveranstaltung teil – da ist es nur umso verständlicher, dass der Tag mit einer kleinen Vorstellungsrunde beginnt. Aachen, Arnsberg, Berlin, Bietigheim, Bochum, Bonn, Bremen, Düren, Goslar, Hanau, Leipzig, Meppen, Neubrandenburg, Neunkirchen, Pfaffenhofen/Ilm, Siegen, Solingen, Sassenberg, Warendorf und Köln – all diese Orte werden heute von Mitarbeitern/innen ihrer Seniorenbüros vertreten, um sich für das anstehende Projekt zu wappnen.

Einige von ihnen mit weniger Erfahrungen auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe, andere wiederum mit sehr vielen Erfahrungen – eine gute Mischung, um später in einen effektiven Erfahrungsaustausch zu treten. Zunächst jedoch tritt der Projektkoordinator Erik Rahn vor, um den einzelnen Seniorenbüros in einer Einführung die Details des Projekts zu erläutern. Im Anschluss gibt Ministerialrat a.d. BMFSFJ einen treffenden Impuls zum Patenschaftsprogramm und nimmt Bezug auf die Problematiken vor Ort. Dass er selbst innerhalb der direkten Mensch-zu-Mensch-Hilfe aktiv ist, zeigt, dass er sich nicht auf die zahlreichen Statistiken und Studien beruft, sondern auf seine persönlichen Erlebnisse vor Ort.

Auch Dr. Azra Dzajic-Weber, Diversity-Trainerin, gibt einen Impuls – einen ganz besonderen sogar: „Nicht die gleichen Fehler machen“!

Sie sagt, dass es zunächst einmal ein positiver Aspekt sei, dass die Politik und der Staat bei Geflüchteten-Asylsuchenden diesmal die Integration ernsthaft betreiben wolle. Dies sei ein Eingeständnis, bei der Integration von Gastarbeitern seinerzeit Fehler gemacht zu haben. Heute stünde der Beginn der „nachholenden Integration“ ebenso im Mittelpunkt, wie die Unterstützung aktuell geflohener Menschen.

BaS3Daher richtet sich das Projekt „Alt für Jung-Patenschaften“ auch nicht nur an diejenigen Menschen, die Geflüchteten der letzten Monate unterstützen, sondern auch an Menschen, die sich innerhalb der Integration schon länger in Deutschland lebender „Flüchtlinge“ stark machen möchten.

Mit diesen Impulsen starten die 17 Seniorenbüros in einen informativen Austausch – unterhalten sich über die Entwicklung an den Orten, wo bereits „Patenschaften“ laufen, teilen Ideen und Erfahrungen. Genau das ist das Ziel der BaS neben der finanziellen Förderung von neuen Patenschaften:

Die BaS wünscht sich, dass sich Institutionen bundesweit miteinander vernetzen und austauschen – nur so könne eine gelungene Integration und ein nachhaltiges Engagement entstehen.

Fachstelle Zukunft Alter mit 15 Patenschaften dabei

Die Fachstelle Zukunft Alter hat in ihrem Förderantrag 15 „Patenschaften“ zur Finanzierung angemeldet und den entsprechenden Zuschlag erhalten.

Dies bedeutet, dass in Arnsberg 15 neue Patenschaften entstehen können, die mitunter durch die BaS unterstützt werden – beispielsweise, um Unternehmungen (Zoo-Besuche etc.) zu finanzieren oder aber auch Qualifikationen (Schulungen) und Co.

Marita Gerwin freut sich über diesen Zuschlag – denn in Arnsberg ist es bereits gang und gäbe, Flüchtlinge mit sogenannten „Alltagslotsen“ in Alltagssituationen zu unterstützen. Ein gutes Beispiel hierfür stellt die „Patenschaft“ von Karola C. und Christel H. dar. Sie begleiten drei afghanische allein geflohene Jugendliche, sich im Alltag zurechtzufinden, an Freizeitgestaltungsmaßnahmen teilzunehmen und natürlich Deutsch zu lernen. Ihre Geschichte finden Sie hier: http://www.arnsberg.de/zukunft-alter/zukunft-alter_reportage_sie-gehoeren-einfach-dazu.pdf

Paten und Alltagslotsen – alles kann, nichts muss

BaS5Einige Seniorenbüros merken an, dass sich die Menschen vor Ort ggf. überlastet bzw. überfordert fühlen könnten, wenn sie mit einer Patenschaft konfrontiert werden – dass sie ggf. einen gewissen Zwang verspüren könnten, immer da sein, unterstützen und jederzeit auf Abruf bereitstehen zu müssen.

Doch dem ist nicht so! Es geht nicht darum, Menschen zu verpflichten, sondern vielmehr darum, Menschen in ihrem Engagement-Wunsch zu stärken und vor allem zu unterstützen. Getreu dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Daher ist es beispielsweise auch möglich, sich gemeinsam mit mehreren Ehrenamtlichen um einen geflohenen Menschen oder eine geflohene Familie zu kümmern.

Dem Eindruck, dass ein Ehrenamtlicher dann allein zu viel Verantwortung übernehmen müsse, solle entgegengewirkt werden.

Wer mehr erfahren möchte oder aber direktes Interesse hat, sich zu engagieren, kann sich einfach an die Fachstelle Zukunft Alter, Marita Gerwin, Tel. 02932/201-2207 wenden.

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Text & Fotos: Thora Meißner, wortschrei.com