Multikulturelle Exkursion zu den Sternen

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Gemeinsam „die Welt“ entdecken – klingt schwierig? Ist es aber gar nicht! Am Samstag trafen sich 20 Menschen verschiedenster Kulturen, um sowohl die Münsteraner Altstadt als auch das Naturkundemuseum inkl. Planetarium zu erkunden. Eine Exkursion der besonderen Art.

„Einfach schälen, kochen, essen“

In Münster angekommen, erfahren wir von Claudia Brozio (Initiatorin und Organisatorin der Stadtführung) zunächst etwas zur Stadtgeschichte, bevor uns das einstige Fürstbischöfliche Schloss ins Auge fällt. Es ist pompös und dadurch das perfekte Motiv für das ein oder andere Selfie. Heute stellt das im zweiten Weltkrieg stark zerstörte Schloss den offiziellen Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dar.

Der Rundgang führt uns in den 1803 gegründeten Botanischen Garten – er gehört als Forschungseinrichtung zur Universität und darf kostenlos besucht werden.

Nazrat macht indes eine ganz besondere Entdeckung – er findet die Schwammgurke. „Die hatte ich zu Hause in Afghanistan. Sind sehr lecker. Einfach schälen, kochen, essen“, erzählt er mit strahlenden Augen. Er ist sehr interessiert an den vielen Pfanzen und vor allem auch an den Japanischen Kois, die sich geschmeidig durch den Teich bewegen.

Schade, dass keine Zeit mehr bleibt, um den gesamten Park zu begutachten – aber der Tag hält noch viele weitere Highlights bereit.

Der Stadtrundgang führt an der Überwasserkirche (auch Liebfrauenkirche genannt) und ihrer gotischen Bauweise, am St. Paulus Dom, der Lambertikirche und dem Historischen Rathaus vorbei. Allesamt beeindruckende Bauwerke, die in der multikulturellen Gruppe große Augen auslösen.

Letztendlich führt Claudia Brozio die Gruppe durch das sogenannte Kuhviertel – hier lebten ursprünglich viele arme Leute, z.B. kleine Handwerker oder Tagelöhner. In diesem Viertel wurde „Masematte“ gesprochen – eine Geheimsprache, die auch oft von Gaunern genutzt wurde. Heute sind hier viele Studentenkneipen und kleine Geschäfte ansässig.

Für uns ist es der Weg in die „Suppen Fabrik“. Hier genießen wir eine heiße Suppe und ein kühles Getränk, bevor es weitergeht.

„Ich dachte, der ist aus Fleisch und Blut“

Jetzt ist es soweit – endlich führt uns die Tour zum LWL-Museum für Naturkunde, Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium in Münster.

Bereits im Eingangsbereich gibt es einiges zu bestaunen – doch was es im Inneren zu sehen gibt, verschlägt der gesamten Gruppe den Atem.

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Es erwarten uns interessante und atemberaubende Ausstellungen:

  • Wasser bewegt – Erde, Mensch, Natur
  • Dinosaurier – die Urzeit lebt
  • Prärie- und Plainsindianer

Wissen, das alle Kulturen etwas angeht!

Nazrat ist beeindruckt. „Ich dachte, der ist aus Fleisch und Blut“, sagt er überrascht. Doch der Neandertaler ist eine Silikon-Figur, die in akribischer Handarbeit in einem Zeitraum von etwa vier Monaten zu dem gemacht wurde, was sie heute im Naturkundemuseum darstellt.

Ein besonderes Highlight ist auch die „Sandbox“ – nicht nur für die Kleinen. Die „Augmented Reality Sandbox“ ist ein sogenanntes Mitmach-Exponat im Naturkundemuseum. Hier kann der Wasserkreislauf in einer selbst gestalteten virtuellen Landschaft verfolgt werden. Die mit Sand gefüllte Box mimt so zum Beispiel das Verhalten von Wasser in höher und tiefer gelegenen Gebieten.

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Traumhafter Blick in die Sterne

Zu guter Letzt sitzen wir gespannt auf den urgemütlichen dreh- und neigbaren Sesseln des Planetariums und warten auf den Startschuss, der uns ins All befördern soll. Heute dürfen wir „hinter die Kulissen“ schauen und viel über die Technik hinter der 13 Meter hohen Halbkugel erfahren. Dr. Björn Voss, Leiter des Planetariums, erklärt, führt vor und sorgt für einen WOW-Effekt nach dem anderen.

Es ist etwas ganz Besonderes für uns alle – denn unter einer solchen Kuppel hat bisher noch niemand von uns gesessen. Die Ausschnitte aus einzelnen Shows (z.B. Chaos and Order -Mathematik-Visualisierung | Star Rock Universe – Supertramp Dreamer | Lasershow – Madonna/The Power of Goodbye) lassen alles um uns herum unwichtig erscheinen. Wir tauchen ein in eine visuelle Welt, die wir so noch nie gesehen haben. Kopf frei.

„Learn to say goodbye. I yearn to say goodbye“ heißt es in der abschließenden Lasershow. Das gilt nun auch für uns. Auch wenn es schwer fällt – irgendwann ist jeder Tag einmal zu Ende. Unsere kunterbunte Exkursion ins Münsterland klingt mit einer rund eineinhalbstündigen Busfahrt zurück ins Sauerland aus – jedoch nicht, ohne das ein oder andere Statement aus der Gruppe zu erhaschen:

„Es war ein schöner Tag! Ich bin seit 14 Monaten in Deutschland. Ich habe in dieser Zeit nie große Städte von Deutschland gesehen. Jetzt war ich in Münster. Ich habe so viele junge Leute gesehen und eine große Universität. Frau Claudia hat mir erzählt, dass viele Universitäten von Deutschland in Münster sind. Danach war ich in der Suppen-Fabrik – wow, die Suppe war sehr lecker. Danach war ich im Naturkundemuseum. Da habe ich einen Mann gesehen. Ich dachte, der ist aus Fleisch und Blut, aber eigentlich war er aus Silikon. Ich habe es nicht gewusst – ich war sehr überrascht. Danach habe ich viele Tiere gesehen, zum Beispiel: Tiger, Fuchs, Fische, Elefant und Bär. Ich dachte, die Tiere wären auch aus Fleisch und Blut – aber sie waren aus Plastik. Wenn man das zum ersten Mal sieht, kann man es nicht wissen. Es war toll!“ Nazrat aus Arnsberg.

„Es hat viel Spaß gemacht. Wir sind zusammen mit dem Bus gefahren und haben viel gelacht. Wir haben die deutsche Geschichte ein bisschen kennengelernt und sind viel in der Stadt Münster herumgelaufen. Am Ende waren wir im Planetarium. Das alles gefiel mir sehr! Vielen Dank für Ihre Hilfe. Sie haben die Geschichte gut erzählt – wir haben es gut verstanden“. Samiullah aus Arnsberg (zu Claudia Brozio).

BaS-Patenschaften in Arnsberg

Weitere Informationen zum Projekt: Alt für Jung - Projekt "Menschen stärken Menschen"

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Zwischen Latte Macchiato und den Nachrichten

  1. Michael + Petra Voß

    Hallo Thora , Klasse gemacht, sehr authentisch. Es war ein sehr schöner Tag.

  2. Marita Gerwin

    Großartige Reportage, liebe Thora. Das war wirklich ein unvergesslicher Tag voller Eindrücke und einzigartiger Erlebnisse.

    • Das stimmt – vergessen werden wir das nicht so schnell. Meine Familie und ich werden das LWL Museum für Naturheilkunde mit Planetarium auf jeden Fall noch einmal in den Ferien besuchen …

  3. Jessica

    Toll geschrieben Thora ! 🙂

  4. Claudia Brozio

    Thora Meißner, hat die Atmosphäre des Tages wunderbar wiedergegeben. Wir haben als Gruppe einen sehr schönen Tag erlebt. Menschen unterschiedlichen Geschlechts, mit verschiedenen Lebenshintergründen und Religionen, von jung bis älter, mit und ohne Migrationshintergrund, … Es hat wirklich alles gut gepasst.

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