von Marita Gerwin

Staunen im Wildwald Vosswinkel für Menschen aus aller Teilen der Welt!

Wir leben in einer Region des Sauerlandes, in der Wald und Holz und die heimische Pflanzen- und Tierwelt eine dominierende Rolle spielen. Wegen seiner naturnahen Buchenwälder ist der Arnsberger Wald als Naturschutzgebiet und europäisches FFH Schutzgebiet ausgezeichnet worden. Zahlreiche Waldbesucher schätzen die Stille und Weitläufigkeit und finden hier Erholung für Körper und Geist.

Um die Identifikation mit der neuen Heimat zu fördern, besuchen wir mit den Paten und einigen geflüchteten Menschen, die in Arnsberg Zuflucht gefunden haben, den Wildwald im Arnsberger Stadtteil Vosswinkel.

Am späten Nachmittag erleben sie mit ihren Paten das Terrain des Waldes hautnah. Ein sinnliches Vergnügen. Zum ersten Mal hören Sie, dass das Sauerland als „Land der tausend Berge“ bezeichnet wird. Sie staunen über die heimischen Tiere des Waldes, die Wildschweine mit ihren Frischlingen, erleben den putzmunteren Waschbären, der blitzschnell nach seiner Mahlzeit greift, die Ziegen, Rehe und Hirsche.

Sie bestaunen das Innere eines Ameisenhaufens, erleben Igel, Specht, Waldohr-Eule, Uhu, Habicht, Eichhörnchen, Rötelmaus, Enten und allerlei sonstiges Getier. Selbst ein Maikäfer purzelt vom Baum herunter vor ihre Füße.

In der Waldschule ertasten sie die Unterschiede der Sommer- und Winterfelle des Rotwildes. Sie lernen die mächtigen Geweihe kennen und hören von Graureihern, Störchen und ihren Nahrungsketten.
Wir sprechen über die Funktion des Waldes als Naherholungs- und Naturraum, gleichzeitig aber auch über den Wirtschaftsfaktor Wald und Holz für die gesamte Region des Sauerlandes.
Dass ein Wald auch eine bedeutende Wirtschaftskraft für Umwelt und Mensch sein kann, ist den geflüchteten Menschen fremd. Wir erzählen von der Anpflanzung und Pflege junger Bäume als Mischwald, der verheerende Auswirkungen wie z.B. beim Orkan Krill in den Monokulturen der Fichtenwälder, abmildert.
Besonders aufmerksam hören die jungen Menschen zu, als wir über die verschiedenen Berufsfelder in der Forstwirtschaft und Landwirtschaft erzählen, von Ausbildungsmöglichkeiten und beruflichen Perspektiven in der Region des Sauerlandes.

Dass es in Arnsberg eine Forstgenbank gibt, die Saatgut für ganz Deutschland bereithält, erstaunt nicht nur die Jugendlichen, sondern auch den ein oder anderen Paten.
„Wie wird das Saatgut der Bäume denn geerntet?“, ist die große Frage. Wir erzählen von Zapfenpflückern, von der Bucheckern-Ernte und Schonungen, in denen junge Bäume heran gezüchtet werden. Auch die Holz-Ernte durch die Forstwirte oder durch die gigantischen Voll-Ernte-Maschinen versuchen wir zu erklären. Schnell kommt das Thema auf die sog. Rücke-Pferde, die in schwer zugänglichen Waldgebieten zum Einsatz kommen.

Lustige Situationen ergeben sich, als Claudia Brozio, eine unserer Patinnen, in unmittelbarer Nähe der Wildschwein-Suhle von den Jungtieren als „Frischlinge“ spricht. Nasrat schaut ein wenig irritiert und fragt: „Wieso nennt man die Kleinen „Flüchtlinge“? Weil die immer wegrennen?“ Gelächter in der Runde. „Nein die Jungtiere nennt man nicht „Flüchtlinge“, sondern „Frischlinge“. „Aha, wieder was dazu gelernt!“ antwortet er augenzwinkernd.

Irritiert fragt Jusuf seinen Paten Klaus:“ Sag mal ehrlich, dass sind doch keine Schweine! Schweine sind doch rosa und nicht so schwarz und borstig!“
Beim Anblick eines mächtigen Keilers, der in greifbarer Nähe auf dem Waldboden nach Engerlingen schnüffelt, sagte Sayed zu seinem Paten Ozcan: „Pass lieber auf, komm dem `Starken Typ´ nicht zu nahe, sonst wirst Du plötzlich auch ein Flüchtling. Ich sag Dir eins: Auf einen Baum zu klettern ist nicht einfach!“
Eine andere nette Begebenheit entwickelt sich, als jemand von einem Erd-Bären spricht. Etwas ungläubig schaut Karim die Runde und fragt: „Erd-Beeren? Ich denke, das ist Obst! Das sind doch die kleinen roten Früchte, die so lecker schmecken, oder?“

Auch der Wasch-Bär und der Wald-Hund, als auch die Tatsache, dass die Bäume im Frühling “ausschlagen“ zaubern Fragezeichen in die Gesichter der Menschen aus fernen Ländern. „Ich sag´s ja: Deutsche Sprache – Schwere Sprache“, lacht Mahmut und alle nicken zustimmend.
Nach dieser Wald- & Holz-Exkursion tauchen wir ein in die faszinierende Welt der Waldlichter 2017. Ein zauberhafter Abschluss des Tages, voller Überraschungen in einer wunderbaren Atmosphäre: entspannt, fröhlich und humorvoll.
Aus Patenschaft wird Freundschaft! Geht doch!